12.01.2026: Peter Scholz (1945 – 2025) - Deutschlands schnellster Maurer
Die Passauer Leichtathletik trauert um Peter Scholz. Im Dezember verstarb er mit 80 Jahren. Mehr als fünf Jahrzehnte war er Mitglied der Leichtathletikabteilung des 1. FC Passau und beim LAC Passau. 1974 trat er mit 29 Jahren dem 1. FC Passau bei. Über mehr als drei Jahrzehnte drückte er dort als vielfacher Deutscher, Europa- und Weltmeister dem Seniorensport seinen Stempel auf.
Spätberufener in der Leichtathletik
Der gelernte Maurer war Späteinsteiger in der Leichtathletik. Die harte Arbeit auf dem Bau prädestiniert in der Regel nicht für die Leichtathletik. Für einen galt das nicht - für Peter Scholz. Zumindest eine Trainingseinheit im Kraftraum sparte sich das Energie- und Kraftbündel. Immer wieder sorgte für Staunen, wie Peter Scholz nach zehn Stunden auf dem Bau viermal in der Woche sein Sprinttraining „durchzog“ und viele Wettkämpfe am Wochenende absolvierte. Aufgrund seiner Erfolge auf nationaler Ebene mit Beginn der 80er-Jahre stand er im Ruf der „schnellste Maurer Deutschlands“ zu sein. Mit 39 und 40 Jahren erzielte er seine Bestmarken über 100 (11,44 sec), 200 (23,24 sec) und 400 Meter (52,09 sec) sowie im Weitsprung (6,17 m).
Europameister und Weltmeister der Masters
Die internationalen Wettkämpfe, die er ab Mitte der 90er-Jahr bestritt, führten ihn mit seiner Ehefrau Maral 15 Jahre lang in viele Länder. Dort feierte er seine größten sportlichen Erfolge. Mit 52 Jahren wurde er Weltmeister mit der 4 x 100-Meter-Staffel, stand insgesamt siebenmal bei einer Masters-WM mit einer 4 x 100- oder 4 x 400-Meter-Staffel auf dem Siegerpodium. 2001 verfehlte er als WM-Vierter über 400 Meter nur knapp eine Einzelmedaille. Diese hatte er sich im Jahr zuvor bei der Masters-EM über die härteste Sprintdistanz geholt, zudem sechsmal Staffel-EM-Gold von 1996 bis 2010.
14- und 80-mal Edelmetall für das „Mooswiesel“ bei Bayerischen und Deutschen Meisterschaften
Die 400 Meter waren die Paradedisziplin des „Mooswiesels“, der Spitzname von Peter Scholz nach seiner Hausadresse. Auf dieser Strecke brachte er seinen „unbandigen“ Kampfgeist, seine Leidenschaft für den Sprint am besten zu Geltung. Die Hälfte seiner 14 Medaillen bei Deutschen Meisterschaften errang er über die Stadionrunde. Bei Bayerischen Meisterschaften waren es sage und schreibe 80 Medaillen von 100 bis 400 Meter, mit der Staffel und im Weitsprung. 2011 nahm er letztmals an einer deutschen, 2012 an einer Europameisterschaft teil. Sein letztes Rennen bestritt Peter Scholz im Juli 2024 in Leibnitz bei Graz.
Freundlich, humorvoll, engagiert
Peter Scholz engagierte sich stets bei Sportfesten im Dreiflüssestadion - wie als Sportler auch hier immer freundlich und humorvoll. Sein Engagement war für ihn selbstverständlich. Brauchten die Leichtathleten sein handwerkliches Geschick, stand er zur Verfügung. Jeder der ihn dabei kennenlernte, staunte über seine Schnelligkeit und Sorgfalt. Unter seiner Federführung bauten die Leichtathleten die Kegelbahn im Dreiflüssestadion in einen Kraftraum um. Nach einem Schlaganfall im Herbst 2025 befand sich Peter Scholz zur Reha in Bad Griesbach. Er verstarb nach kurzer schwerer Krankheit am 10. Dezember 2025.