Die Abbott World Marathon Majors sind eine Serie der sieben größten und bedeutendsten Marathonläufe weltweit. Berlin, Chicago, London, New York, Boston, Tokio und Sidney. Die ersten fünf hat Katrina Jordan nach dem 130. Boston-Marathon am letzten Montag erfolgreich absolviert. In ihrem fünften Marathon lief die 44-Jährige zum fünften Mal Bestzeit, steigerte sich auf starke 3:12:36 Stunden. Ihre Marathonkarriere startete sie vor vier Jahren in Berlin mit 3:58:18 Stunden. Vor Boston war sie bei 3:16:32 Minuten angelangt (New York).
Rückkehr nach Boston
Für Jordan war der Start in Boston ein ganz besonderer. Vor über 40 Jahren hatte sie mit ihren Eltern, ihr leiblicher Vater ist US-Amerikaner, die Verwandtschaft in USA besucht. Alte Fotos zeigen die damals Einjährige bei ihren ersten Schritten am Hafen von Boston.
Auch Frauen dürfen Marathon laufen
Der Boston-Marathon ist seit 1897 der Marathon mit der längsten Tradition nach den Olympischen Spielen. Heuer jährte sich die heimliche Teilnahme von Bobbi Gibb im Männerrennen 1966 zum 60sten-Mal. Sie beendete als erste Frau einen Marathon, ein Jahr später Kathrine Switzer als erste Frau mit Startnummer. Erst 1972 durften Frauen am Boston-Marathon offiziell teilnehmen.
Viele Hügel und Bergauf- und Bergab-Passagen
Den Boston-Marathon prägen sanfte Hügel sowie Bergauf- und Bergab-Passagen. Es gibt keine Pacer. Das profilierte Punkt-zu-Punkt-Rennen führt von Hopkinton durch sieben Städte nach Boston, weist ein Nettogefälle von 140 Metern auf. Keine Strecke für Rekorde, da das Reglement maximal 42 Meter Höhenunterschied toleriert. Die Witterungsbedingungen waren mit zehn Grad und Wind von der Seite und von hinten sehr günstig.
Locker und entspannt mit guter Lauftechnik bis zum „Screech Tunnel“
Jordan peilte ein Zeit unter 3:10 Stunden an. Sie konzentrierte sich darauf, das Rennen locker und entspannt zu beginnen, der Verlockung zu widerstehen, bergab schnell zu laufen. Die ersten sieben Kilometer fällt die Strecke, führt durch eine ländliche Gegend über kurvenreiche und enge Straßen. Die gesamte Strecke erfordert eine gute Lauftechnik, um auf diesem Terrain einen guten Laufrhythmus beizubehalten, das Wechselspiel von bergauf und bergab erfolgreich zu meistern und trotzdem in den flachen Passagen flüssig zu laufen. Bei Halbzeit durchquerte Jordan in 1:35:05 Stunden den legendären „Screech Tunnel“ am Wellesley College. Dort erwartete sie eine Wand kreischender Studentinnen mit einem Jubelsturm.
Die entscheidende Klippe: Die Newton Hills
Etwas sanftere Hügel begleiteten Jordan bis zur 25-Kilometer-Marke. Sie lag auf Kurs 3:10 Stunden (4:30er-Schnitt). Jetzt „türmte“ sich vor ihr die entscheidende Herausforderung „auf“, die Newton Hills. Von Kilometer 25 bis 35 warten auf die Läufer vier größere Hügel. Den Höhepunkt bildet der Heartbreak Hill, der letzte und härteste Anstieg mit 600 Metern. Ihm schließt sich ein langes, sanftes Gefälle an. „Bis Kilometer 32 bin ich mit dem Kopf gelaufen, die restlichen 10 Kilometer laufe ich mit dem Herzen“ war die Devise von Jordan für den Schlussteil.
„Gefühl wie eine Olympionikin“
Die Newton Hills hatten ihr viel Kraft gekostet, pro Kilometer rund zehn bis 15 Sekunden. Nach einem allerletzten Hügel bog sie auf die lange Zielgerade mit tausenden von Zuschauern ein, und das „mit einem Gefühl wie eine Olympionikin aufgrund der Begeisterung und Herzlichkeit der Zuschauer“. Mit 3:12:36 Stunden unterbot sie ihre Bestzeit von New York-Marathon im November um vier Minuten, belegte Rang 1.269 unter knapp 13.000 Läuferinnen (gesamt 30.000 Starter). Das nächste Marathon ist schon fix, der München-Marathon im Oktober mit Bayerischen Meisterschaften. Dann will Jordan die 3:10 Stunden deutlich unterbieten.
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