Fantastische Stimmung im Estadio Olímpio Pascual Guerrero
Die U20-Weltmeisterschaften im Kolumbien waren für Linda Meier das erwartete Highlight ihrer sportlichen Karriere . Am sechsten und letzten Tag der WM machte sich die deutsche 5.000-Meter-Meisterin startklar im Estadio Olímpio Pascual Guerrero für die 5.000 Meter. „Das Stadion war so voll wie noch nie in diese Woche. Es herrschte eine fantastische Stimmung“, schwärmte sie noch zwei Tage später von ihrem Rennen. Die äußeren Bedingungen waren für jede der Finalistinnen – egal von welchem Kontinent – nicht leicht: 29 Grad und 55 Prozent Luftfeuchtigkeit. Kein Wunder, dass es nur einer im 19-köpfigen Feld gelang, beim Saisonhöhepunkt persönliche Bestzeit zu laufen, der Lettin Agate Caune als Vierten (15:43,56 min).
Rasanter Beginn mit Schrecksekunde
Mit dem Bundestrainer abgesprochen hielten sich Linda Meier und die zweite deutsche Starterin Kira Weis bis 2.000 Meter am Ende des Feldes auf, mit dem Ziel, im Laufe des Rennens die eine oder andere Konkurrentin „einzusammeln“. Vom Start weg dominierten die Läuferinnen aus Äthiopien, Uganda und Kenia das Rennen. Zwei Welten prallten hier im Langstreckenlauf aufeinander, Afrika und die vier anderen Kontinente. Linda Meier lief an letzter Stelle nach einer Runde, trotz 76 Sekunden für die ersten 400 Meter. Kurz darauf eine Schrecksekunde als die Griechin stürzte, flach auf der Bahn lag. Linda Meier und Kira Weis sprangen über sie hinweg, getrieben von der Angst, den Innenraum zu betreten und disqualifiziert zu werden.
Fünftbeste Europäerin
Im weiteren Verlauf zog sich das Feld weit auseinander. Linda Meier musste ein Lücke zu Kira Weis reißen lassen. Beide konnten sich im Laufe des Rennens ein paar Plätze nach vorne arbeiten, Kira Weis, die deutsche Meisterin über 3.000 Meter in der Halle und im Freien, etwas weiter als Zwölfte in 16:57,63 Minuten. Linda Meier landete in 17:19,94 Minuten als fünfbeste Europäerin auf Rang vierzehn, genau eine Minute über ihrer Bestzeit. Dennoch war sie zufrieden mit ihrer Leistung. „Ich habe mich zu Beginn des Rennens gut gefühlt. Ich hatte keine Atemprobleme wegen der Höhe oder der Hitze und auch nicht mit der harten Mondo-Bahn wie andere Athleten. Ich lief am Limit, erholte mich aber schnell wieder“.
Fehlentscheidung eines Kampfrichters: „You have one lap to go“
Ausgepumpt lag sie im Zielbereich rund 20 Sekunden am Boden, als ein Kampfrichter auf sie zustürzte und rief „You have one lap to go“. Die Achtzehnjährige stammelte nur „No, no“. Es half nichts, sie musste eine weitere Runde unter dem starkem Applaus des Publikums drehen, das in ihr die Letzte des 5.000-Meter-Rennens vermutete. Die deutsche Delegation legte sofort mit Erfolg Protest ein. Es blieb beim vierzehnten Platz für Linda Meier.
Edelmetall für die Afrikanerinnen
Gold und Silber gingen an Äthiopien mit Medina Eisa (15:29,71 min) und Melknat Wudu (15:30,06 min), beide erst siebzehn Jahre alt. Eisa lief im Jahr zuvor als Sechzehnjährige bereits unter 15 Minuten. Bronze gewann die Uganderin Prisca Chesang (15:31,17 min).
Erfolgreicher DLV
Die Talente des Deutschen Leichtathletik-Verbandes gewannen im kolumbianischen Cali insgesamt acht Medaillen – einmal Gold, viermal Silber und dreimal Bronze. Eine Silbermedaille ging nach Bayern. Chiara Sistermann vom TSV Gräfelfing kürte sich im Stabhochsprung mit erstklassigen 4,30 Metern zur Vizeweltmeisterin. Seit der U20-WM 2008 in Polen stand das DLV-Team nicht mehr so oft auf dem Siegerpodium. Nach der Meisterschaft ist vor der Meisterschaft.
U20-EM 2023 im rumänischen Cluj-Napoca
Nächstes Jahr finden die U20-Europameisterschaften im rumänischen Cluj-Napoca (Klausenburg, Siebenbürgen) statt. Mit ihren 16:19,38 Minuten von der Langen Laufnacht in Karlsruhe liegt Linda Meier immer noch auf Rang sechs der europäischen Bestenliste. Auch 2023 ist sie noch in der U20 startberechtigt. Cali hat bei ihr Lust auf mehr gemacht, Lust auf weitere internationale Starts.